Unsere Kirche

Klein und bescheiden steht die rund 900 Jahre alte Wanderuper Feldsteinkirche ganz in der Nähe der großen Wanderuper Straßenkreuzung, die heute die B200 und die Zufahrt zur Autobahn 7 verbindet. Die romanische Kirche besteht aus unbehauenen Feldsteinen und stammt damit vermutlich aus der Zeit, in der noch keine Quader- und Ziegelbauten errichtet wurden – also wahrscheinlich vor 1200.

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Der Innenraum

In ihrer ursprünglichen Form bestand sie nur aus einem fast viereckigen Chor mit einem Fenster in jeder der drei möglichen Richtungen und aus einem recht kurzen Kirchenschiff mit zwei Fenstern nach Süden und zwei nach Norden. Der Eingang zeigt in Richtung Norden. Das ursprüngliche Portal, das immer noch intakt ist, aber jetzt von der später gebauten Vorhalle verdeckt wird, hat eine Rundbogenblende mit einem groben bildlosen Tympanon.

Da die Bevölkerung Mitte des 18. Jahrhunderts auf ca. 300 Bewohner angewachsen war und bis Mitte des 19. Jahrhunderts sogar rund 400 Menschen in Wanderup und Umgebung lebten, war die Kirche zu klein geworden – sie musste nach Westen erweitert werden. Es handelt sich um das Stück vom heutigen Eingang bis zum hölzernen Glockenturm. Dieser ist 1754 erbaut worden, nachdem ein Blitzschlag den bis dahin auf der Kirche aufgesetzten Turm gespalten und die Glocke zerstört hat.

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Der Blick zum Friedhof

Wanderup war früher eine arme dänische Gemeinde, so dass die Wanderuper den dänischen König um die Ausschreibung einer Kollekte zum Bau eines neuen Glockenturmes baten. Die Antwort der dänische Regierung: Abgelehnt! Begründung war, dass „in einer so kleinen Bauerngemeinde die Glocken ja eben nicht notwendig scheinen“. Die Wanderuper verstanden es aber, in gefühlvollen Briefen und Berichten, die sie trotz Absagen immer wieder schickten, das Herz der Regierung in Kopenhagen zu erweichen.

Schließlich wurde die Kollekte für die Kirchenreparatur und das Umgießen der Glocke genehmigt – nicht aber für das Holz zum Aufbau des Glockenturmes. Dies mussten die Wanderuper selbst aufbringen. Einen neuen Dachreiter (Turm) bekam die Kirche erst 1925 wieder. In diesem Jahr wurde auch die Vorhalle zur Kirche angebaut. Ebenfalls in den 1920er Jahren sind die großen Fenster der Südseite eingebaut worden. Auf der Nordseite sind noch zwei der ursprünglich romanischen Fenster erhalten geblieben, die auch wesentlich höher in die Wand eingebaut waren. Die Kirche bot als Zufluchtsort bei Angriffen möglichst großen Schutz.

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Der Armenlöffel

Einmalig dürfte in der Wanderuper Kirche der ehemalige Sakramentenschrein sein, der in die Nordwand des Chores eingelassen ist. Vermutlich nach der Reformation wandelte die Gemeinde ihn in einen Opferstock um. Wenn zu früheren Zeiten der Gottesdienst zu Ende war, machte man seinen Altarrundgang. Hier trafen die Gottesdienstbesucher dann auf diesen Wandschrank, in dessen schwere Eichentür ein Loch gebohrt und ein überdimensionaler Eisenlöffel als „Geldrutsche“ eingebracht war. Das Geld, das geopfert wurde, rutschte in den Schrank und wurde zu Weihnachten an die Armen im Dorf verteilt. Diese Tradition wurde in den letzten Jahren neu belebt.